Mehr als ein Zettel
AiBATROS-News 12/25
Der Energieausweis bekommt von der EU ein Update – und zwar ein großes: Neue Anforderungen, mehr Daten, mehr Digitalisierung. Was das für Wohnungsunternehmen bedeutet und warum sich frühes Handeln lohnt, darüber haben wir mit Anne Birgit Höh, Head of Sales & Consulting, gesprochen.
Energieausweise kennt ja eigentlich jeder. Warum werden sie jetzt Thema?
Viele haben den Energieausweis bisher eher als Pflichtdokument gesehen, das man eben für den Verkauf oder die Neuvermietung braucht. Aber das ändert sich gerade grundlegend, denn mit der europäischen Gebäuderichtlinie, der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD), will die EU den Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral machen. Und dafür wird der Energieausweis zum zentralen Instrument. Er soll künftig deutlich mehr Aussagekraft als bisher haben und europaweit vergleichbar sein. Eigentliche eine gute Nachricht, denn damit werden deutsche Gebäude nicht mehr schlechter bewertet, nur weil die Berechnungsmethodik anders ist als zum Beispiel in den Niederlanden oder Frankreich.
Was sind die wichtigsten Neuerungen?
Die bisherige Trennung zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis sieht die EPBD eigentlich nicht mehr vor – Verbrauch und Bedarf sollen zusammen abgebildet werden. Außerdem wird eine neue Skala eingeführt. A werden nur noch Zero Emission Buildings sein. Gebäude, die sogar mehr Energie erzeugen, könnten demnach künftig ein A+ erhalten. Die unterste Klasse soll dagegen immer die schlechtesten 15 Prozent eines Landes abbilden. Und zwar dynamisch angepasst, damit der Sanierungsanreiz längerfristig bestehen bleibt. Spannend wird auch, dass künftig mehr Daten verpflichtend sind: Neben Verbrauch und Bedarf auch Emissionen über den Lebenszyklus hinweg und die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen. Außerdem wird eine Begehung verpflichtend – der wohl aufwändigste Punkt der Regelung.
Das klingt nach einem ziemlich großen Schritt. Was bedeutet das in der Praxis?
Zunächst einmal mehr Aufwand. Aber dieser Aufwand lohnt sich. Denn die Daten, die für den Energieausweis erhoben werden, liefern eine wertvolle Grundlage für strategische Entscheidungen. Wer sie konsequent nutzt, kann Investitionen gezielter planen, Kosten realistischer einschätzen und Klimaziele besser verfolgen. Der Energieausweis ist damit nicht mehr nur eine reine Formalität, sondern wird zu einem echten Steuerungsinstrument.
Und welche Rolle spielt AiBATROS dabei?
Wir bereiten uns Schritt für Schritt auf die neue Regulierung vor: Verbrauchsausweise für Wohngebäude können ja inzwischen direkt in AiBATROS erstellt werden. Dabei werden die im System bereits vorhandenen Daten automatisch übernommen und die Zusammenarbeit mit dem eigenen Energieberater läuft ebenfalls reibungslos, weil der Workflow darauf abgestimmt ist. Für die neuen Ausweise haben wir schon die Wirtschaftlichkeitsberechnung nach VALERI umgesetzt. Energiebedarf und Maßnahmenplanung sind ohnehin unser Kerngeschäft. Der große Vorteil ist, dass man als Unternehmen so die Hoheit über seine Daten behält – und zwar zentral in einem System, sauber dokumentiert, GEG-konform und jederzeit nachvollziehbar. So wird der Energieausweis zum Baustein einer größeren Datenstrategie. Und genau das wird in Zukunft entscheidend sein.
Wann kommt die Neuregelung eigentlich?
Der neue Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes wird frühestens Ende des Jahres erwartet, und die zentrale Datenbank ist derzeit noch im Aufbau. Bis Mai 2026 sollte die Richtlinie dann eigentlich umgesetzt sein, aber Deutschland wird sich vermutlich etwas mehr Zeit nehmen. Trotzdem: Wer jetzt schon anfängt, profitiert doppelt – organisatorisch und strategisch.